Warum ich Motorrad fahre – und warum es mehr ist als nur Fahren

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Das Motorrad als Mittel, nicht als Zweck

Seit ich 16 bin, sitze ich auf Motorrädern. Eine 125er war der Anfang, dann eine alte Kawasaki KLR 650. Später eine BMW F800GS, eine Yamaha Diversion, eine MT-07, eine Suzuki V-Strom – heute eine BMW R1250 GS.

Eine lange Liste. Und trotzdem habe ich mich nie wirklich als "Motorradfahrer" gefühlt. Nicht im klassischen Sinn jedenfalls.

Jenseits der Szene

Ich bin nie gefahren, um Teil einer Szene zu sein. Marken, Treffen, Ausrüstungsdiskussionen – das hat mich nie interessiert. Früher gab es Menschen, mit denen ich gemeinsam unterwegs war. Irgendwann hörten sie auf. Beruf, Familie, andere Prioritäten. Das passiert.

Also verkaufte ich die F800GS. Nicht aus Frust, sondern aus Konsequenz. Sie stand mehr, als sie fuhr. Es passte einfach nicht mehr.

Und trotzdem kam jedes Frühjahr dieses Gefühl zurück. Kein Drang nach Geschwindigkeit, keine Euphorie. Eher ein leises Wissen, dass da noch etwas offen ist.

Die Erkenntnis

Ich kaufte mir eine MT-07 als Wiedereinstieg. Leicht, unkompliziert, vernünftig. Und genau dort wurde mir etwas klar: Nur fahren reicht mir nicht.

Eine Runde um den Block? Nein. Tagestouren ins Blaue? Auch nicht wirklich. Motorradfahren um des Motorradfahrens willen funktioniert für mich nicht. Das Motorrad selbst ist nicht der Zweck.

Das fehlende Puzzleteil

Der Wendepunkt kam nicht durch ein neues Motorrad, sondern durch eine Entscheidung: Ich überzeugte meine Frau, den Motorradführerschein zu machen.

Gemeinsam unterwegs zu sein verändert alles. Das Tempo. Die Pausen. Die Wahrnehmung. Man fährt nicht, um Strecke zu machen. Man fährt, um unterwegs zu sein.

Wir tasteten uns langsam an Motorradreisen heran. Nicht spektakulär, nicht weit. Aber mit Ziel, mit Zeit, mit Bedeutung. Plötzlich hatte das Motorrad wieder eine Funktion. Es wurde zum Mittel für gemeinsame Erlebnisse, für geteilte Landschaften, für Gespräche am Straßenrand.

Norwegen als Antwort

Norvegen war keine Grenzerfahrung. Es war Raum.

Straßen, die sich nicht aufdrängen. Landschaft, die nichts von einem will. Wetter, das nicht verhandelt. Man fährt, hält an, fährt weiter. Man ist unterwegs, ohne ständig etwas erreichen zu müssen.

Das Motorrad fügt sich dort ein. Es trägt uns durch die Weite, ermöglicht Pausen an Orten, an denen man mit dem Auto einfach vorbeigefahren wäre. Es entschleunigt, ohne künstlich zu bremsen.

Was noch fehlt

Bisher sind wir mit Motorrädern noch nie in den Süden gefahren. Generell waren wir dort natürlich schon – aber nie auf zwei Rädern.

Keine Alpenpässe, keine Küstenstraßen, keine italienischen Dörfer vom Motorrad aus. Nicht aus Desinteresse, sondern weil es sich bisher einfach nicht ergeben hat. Das ändert sich jetzt. Die Planung läuft.

Nicht aus Abenteuerlust, sondern weil es der nächste logische Schritt ist.

Warum die R1250 GS

Sie trägt Gepäck. Sie funktioniert auch dann, wenn es regnet, kalt wird oder der Tag länger dauert als geplant. Sie ermöglicht Reisen, nicht Runden.

So einfach ist das.

Ein Mittel, kein Zweck

Motorradfahren ist für mich kein Hobby, keine Identität, kein Selbstzweck.

Es ist ein Mittel – um unterwegs zu sein, um Abstand zu schaffen, um Gedanken zu ordnen. Und oft auch: um Zeit zu teilen.

Nicht ideologisch. Nicht romantisch verklärt. Sondern funktional.

Und genau deshalb wichtig. Das Motorrad ist Teil eines größeren Ganzen. Und das reicht völlig.