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Kaffee selbst rösten: Zehn Jahre mit dem Trommelröster

Kaffee selbst rösten: Zehn Jahre mit dem Trommelröster

Vom Experiment zur Routine: Warum ich seit 2016 meinen Kaffee selbst röste

Seit 2016 röste ich meinen Kaffee selbst. Was als neugieriges Experiment begann, ist heute ein fester Bestandteil meines Alltags. Damals war es nichts weiter als der Wunsch, zu verstehen, was eigentlich in der Tasse landet – und wie viel Einfluss man selbst darauf nehmen kann.

Die ersten Schritte: Popcornmaschine als Röster

Die erste Lösung war ebenso simpel wie improvisiert: eine umgebaute Popcornmaschine. Heiße Luft, die normalerweise Maiskörner aufspringen lässt, sollte plötzlich grüne Kaffeebohnen rösten. Die Idee klang zunächst etwas absurd, funktionierte aber erstaunlich gut.

Die Ergebnisse waren nicht immer konsistent, manchmal auch schlicht misslungen – aber genau das machte den Reiz aus. Nach einiger Zeit zog ein kleiner Trommelröster ein, der die Qualität deutlich anhob und dem Ganzen mehr Kontrolle gab.

Der Wendepunkt in London

Irgendwann stellte ich meine Kaffeegewohnheiten grundlegend um und trank fortan ausschließlich schwarzen Kaffee. Ohne Milch und Zucker treten Nuancen deutlicher hervor, Fehler aber ebenso. Kaffee wird ehrlicher – und anspruchsvoller.

Der eigentliche Wendepunkt kam bei einem Aufenthalt in London. In einem Airbnb servierte mir der Gastgeber eine Tasse Kaffee, die mich nachhaltig beeindruckte. Sie war klar, ausgewogen, komplex – und vor allem anders als alles, was ich bis dahin kannte. Diese eine Tasse ließ mich nicht mehr los und veränderte mein Verhältnis zu Kaffee grundlegend.

Die Ernüchterung über Supermarktkaffee

Zurück in Deutschland begann ich, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Ein Besuch in einer kleinen Rösterei in Lübeck war der Startpunkt für eine tiefergehende Recherche. Das Ergebnis war ernüchternd: Ein Großteil des Kaffees im Supermarkt ist von geringer Qualität, stark industrialisiert und auf Haltbarkeit statt Geschmack ausgelegt.

Der Unterschied zwischen Supermarktkaffee und frisch geröstetem, hochwertigem Kaffee ist wie Tag und Nacht. Das Problem: Man kauft sich nicht einfach spontan einen Röster. Die Einstiegshürden sind real.

Also bestellte ich Probierpackungen mit Rohkaffee und begann zu experimentieren. Online fand ich eine kleine, leidenschaftliche Community von Enthusiasten, die – ähnlich wie ich – mit umgebauten Popcornmaschinen rösteten. Begriffe wie Röstprofile, Temperaturen, First Crack, Herkunft, Varietäten und Aufbereitung wurden Teil meines Alltags.

Mehrere Jahre mit dem Trommelröster

Seit mehreren Jahren röste ich meinen Kaffee mit einem kleinen Trommelröster ausschließlich für den Eigenverbrauch. Den Rohkaffee beziehe ich von einem Händler in Hamburg, der eine breite Auswahl hochwertiger Bohnen aus verschiedenen Anbaugebieten anbietet.

Jede Röstung ist ein kleiner Eingriff in das, was später in der Tasse landet. Jede Tasse erzählt ihre eigene Geschichte – von der Herkunft der Bohnen, vom gewählten Röstprofil und von der Sorgfalt in jedem einzelnen Schritt.

Mein Favorit: Doce Diamantina aus Brasilien

Nach vielen Jahren und unzähligen Sorten hat sich ein klarer Favorit herauskristallisiert: Doce Diamantina aus der Region Cerrado Mineiro im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.

Die Savannenlandschaft dort bietet ideale Bedingungen: fruchtbare, mineralreiche Böden, klar definierte Regenzeiten und trockene Ernten. Die Bohnen wachsen auf rund 900 Metern Höhe. Verwendet werden die Arabica-Varietäten Mundo Novo und Catuai – robust, ausgewogen und bestens geeignet für die natürliche Aufbereitung.

Geschmacklich trifft dieser Kaffee genau meinen Nerv: Schokolade, brauner Zucker, Haselnuss, dazu dezente Röstnoten wie geröstetes Brot. Sehr geringe Säure, ein voller, runder Körper. „Doce